FrageHallo Harald!
Erstmal großes Lob für deine Berichte in deinem Internet-Blog, die ich mir jede Woche mit Interesse anschaue! Hier beantwortest du ja auch öfters Fragen von Lesern.
Nun zu meiner Frage:
Ich betreibe selber seit einigen Jahren Kraftsport. Nun sprach ich letzte Woche mit einem Pysiotherapeuten über isokinetisches Training. Er meinte, da es mittlerweile Maschinen in dieser Richtung gibt, mit denen man den Muskel sowohl konzentrisch als auch exzentrisch belasten könnte, dass solch Art von Krafttraining, also isokinetsches Krafttraining für den Muskelaufbau mind. genauso effektiv, wenn nicht so gar effektiver (durch angepasster Widerstand in bezug auf Kraftkurve) sei, um Muskulatur und Kraft (in der trainierten Bewegung) aufzubauen, als herkömmliches Hanteltraining!
Wie ist deine Meinung dazu? Wie siehts du den Vergleich (Vor- und Nachteile) von isokinetischem Training zu Hanteltraining?
Welche Zielgruppe kann deiner Meinung nach effektiv mit isokintetischen Maschinen trainieren? Auch der erfahrene Krafsportler mit hohen Kraftwerten?
Außerdem bieten ja mittlerweile viele "kleine" Frauen-Studios (z. B. Ms. Sporty) diese Art von Krafttraining an für Ihre Fettabbauprogramme - wie effektiv ist dieses Training (ich glaube die bieten aber nur eine konzentrische Arbeitsweise des Muskels an), wenn es um sinnvolles Training bez. Unterstützung des Fettabbaus geht?
Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen!
Gruß
Friedhelm Hill
Antwort
Hallo Friedhelm,
danke für das Lob. Mal wieder die Physiotherapeuten. Die freuen sich anscheinend immer, wenn sie einem normalen Krafttrainingstrainierenden sagen können, dass sie ja doch alles besser wissen. Daher hier mal ein paar Antworten zu Deinen Fragen.

“Isokinetik” bedeutet gleichbleibende Geschwindigkeit. Im Gegensatz zu klassischen Krafttrainingsgeräten, wird bei isokinetischen Trainingsgeräten nicht der Widerstand, sondern die Winkelgeschwindigkeit eingestellt. Egal wie viel Kraft man einsetzt, das Gerät reguliert den Widerstand dann so, dass die Geschwindigkeit immer gleich bleibt. Das bedeutet, dass im Gegensatz zu herkömmlichem Krafttraining die Muskulatur tatsächlich über den gesamten Bewegungsradius immer gleich stark arbeiten muss.
Die meisten isokinetischen Geräte im Freizeitbereich –Beispiel Mrs. Sporty - bieten jedoch nur einen Widerstand in der konzentrischen, sprich überwindenden Phase, wenn sich ein Muskel verkürzt. Das bedeutet dreierlei
Erstens: Dadurch, dass die exzentrische, sprich nachgebende Phase wegfällt gibt es auch weniger kleinste Zellschäden, die für Muskelkater verantwortlich sind.
Zweitens: Leider entfällt dadurch auch ein starker Stimulus für den Muskelaufbau, den genau diese Zellschäden sind mit für den Muskelaufbau verantwortlich.
Drittens wird man vorrangig in der konzentrischen Phase stärker, in der exzentrischen sind jedoch die Kraftzuwächse schwächer. Verständlich, denn sie wird ja auch nicht trainiert.
Dennoch lässt sich auch mit dieser Art des Trainings Kraft- und Muskulatur aufbauen, wenn auch nicht in dem Masse wie bei einem klassischen Training.
Dafür bietet ein rein isokinetisch-konzentrisches Training aber den Vorteil, dass es sehr sicher ist (kein Schwungmoment) und wie oben gesagt auch kaum Muskelkater entsteht. Von daher ist diese Art von Training sicher nicht ideal, aber immer noch besser wie Nichts.

Anders sieht es bei isokinetischen Geräten aus, die auch in der nachgebenden (exzentrischen) Phase einen Widerstand bieten.
Einen direkten Vergleich von traditionellem Gerätetraining und isokinetischem Training in Bezug auf Muskelaufbau gibt es meines Wissens nach nicht. Ich gehe jedoch davon aus, dass die Trainingswirkung in Bezug auf die Hypertrophie gleich sein wird, wie bei einem klassischen Krafttraining. Für Personen die vorrangig an Muskelaufbau interessiert sind also durchaus geeignet. Da isokinetische Geräte, die in beiden Phasen der Bewegung einen Widerstand bieten jedoch sehr teuer sind, wird man diese Geräte jedoch in einem normalen Studio wohl kaum finden, sondern eher in einem Leistungs- bzw Rehabilitationszentrum.
Für Sportler, denen es jedoch nicht ausschließlich um mehr Muskeln, sondern um mehr funktionelle und einsetzbare Kraft geht, haben solche Geräte jedoch auch verschiedene Nachteile. Ein Nachteil ist wie bei allen Geräten, dass weniger Stabilisationsarbeit gefordert ist.
Der weiterer Nachteil ist, dass es verschiedene Ausprägungen der Kraft gibt, die in den unterschiedlichen Sportarten benötigt werden. So ist beispielsweise bei fast jeder Sportart die Explosivkraft gefragt. Das heißt, dass man in der Lage ist, die Geschwindigkeit bei einer Bewegung schnell bis auf ihr Maximum zu steigern. Diese Fähigkeit lässt sich bei einem isokinetischen Training natürlich nicht trainieren, denn dort ist die Geschwindigkeit ja vorgegeben und konstant. Für solche Sportler ist das Mittel der Wahl immer noch klassisches Krafttraining.