Im Spezialreport zum Fettabbau habe ich einige Fehler beschrieben, die sehr häufig gemacht werden, wenn es um Gewichtsreduktion geht. Ab und zu ist auch das Argument zu hören: "Ich esse ja schon fast nichts und nehme trotzdem nicht ab!".
Tatsächlich gibt einige medizinische Probleme, die es nahezu unmöglich machen abzunehmen. Dazu gehören:
- Das Prader-Willi-Syndrom, ein extrem seltener DNA-Defekt, der unkontrollierbaren Appetit und lebensbedrohliche Fettleibigkeit verursacht
- Eine schwere Schilddrüsenunterfunktion
- Morbus Cushing
- Ein paar recht seltene Mutationen beim Leptin-Gen
Bei den meisten Menschen kann allerdings davon ausgegangen werden, dass keines der oben genannten medizinischen Beschwerdebilder vorliegt. Wenn jemand daran zweifelt, hilft ein Kontrollbesuch beim Arzt.
Dennoch gibt es nicht wenige, die von sich behaupten, sie essen fast nichts und nehmen trotzdem nicht ab. Kann das sein?

Eine Studie aus dem Jahr 1992 unter der Leitung von Steven Lichtman untersuchte genau dieses Phänomen. Bei dieser Studie nahmen vor allem Frauen teil, die von sich behaupteten, dass sie nur 1200 Kilokalorien am Tag essen und trotzdem nicht abnahmen. Diese Gruppe wurde über 14 Tage lang verglichen mit einer Kontrollgruppe. Gemessen wurden der Grundumsatz, der Körperfettanteil und die tatsächlich zugeführte Kalorienmenge wurde streng protokolliert. Nach 14 Tagen war das Ergebnis klar: Der Unterschied hinsichtlich des Kalorienverbrauchs zwischen den beiden Gruppen war minimal. Keine der teilnehmenden Frauen in der Versuchsgruppe hatte einen stark herabgesetzten Stoffwechsel. Was allerdings gefunden wurde ist, dass die Untersuchungsgruppe ihre Kalorienaufnahme im Schnitt um 1053 Kilokalorien unterschätzt hatte. Zusätzlich überschätzten Sie ihren Kalorienverbrauch um 51 Prozent. Die Wissenschaftler schlossen ihren Untersuchungsbericht mit den Worten: „Die ausbleibenden Erfolge bei der Gewichtsreduktion trotz angegebener niedriger Kalorienaufnahme können erklärt werden durch die hohe Differenz zwischen tatsächlicher Kalorienaufnahme und Verbrauch und der subjektiven Einschätzung.“
Dies stellt keine isolierte Studie dar, sondern fast alle Studien, die dieses Phänomen untersucht haben kommen zu dem gleichen Ergebnis: Die tatsächliche Kalorienaufnahme wird unterschätzt und der Kalorienverbrauch überschätzt.
Wahrscheinlich ist die jedoch eine grundlegende Eigenschaft von uns Menschen, dass wir einiges mit übertriebenem Optimismus einschätzen, sei es bei der Ernährung oder sei es bei anderen Projekten. Oder kennt jemand ein öffentliches Bauprojekt, das rechtzeitig fertig wurde oder gar billiger als ursprünglich geplant?


1 Kommentare:
Ihr Blog ist wirklich eine Bereicherung. :)
Der häufig zu optimistisch eingeschätze Kalorienverbrauch hängt sicher auch mit den Kalorienrechnern zusammen, die überall kursieren. Bei mir spucken die z.B. über 3000kcal täglich aus, tatsächlich würde ich mit den Kalorien aber zügig zunehmen. Wenn man sich auf solche Berechnungen verlässt, ist man ziemlich verlassen.
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