Diese Aussage wäre richtig, wenn die Bauchmuskulatur nur aus langsam zuckenden Muskelfasern, die für Dauerleistungen ausgelegt sind, bestehen würde. Tut sie aber nicht. In der Realität besteht unsere Bauchmuskulatur aus unterschiedlichen Muskelfasertypen, genauso wie all unseren anderen Skelettmuskeln. Aus diesem Grund sind niedrigere Wiederholungszahlen genauso in Ordnung wie hohe. Sinnvoll ist es daher die Bauchmuskulatur sowohl im Kraftausdauerbereich, als auch mit niedrigeren Wiederholungszahlen zu trainieren um alle Muskelfasern abzudecken. Doch nicht nur aus Sicht der Muskelfasern sind unterschiedliche Wiederholungszahlen sinnvoll, sondern auch unter funktionellen Gesichtspunkten, denn unsere Bauchmuskulatur muss auch im Alltag Ausdauer- und Kraftleistungen vollbringen.
Wiederholungszahlen bei denen der Satz länger als 2 Minuten dauert, brennen zwar schön, sind aber von der Kraftbelastung zu gering, als das eine Trainingswirkung davon ausgehen würde. Halbstündige Bauch-Muss-Weg Kurse bei denen extrem hohe Wiederholungszahlen für die Bauchmuskulatur trainiert werden, sind vielleicht für das Gewissen gut, trainingstechnisch jedoch absolut unsinnig.

Wer den letzten Post gelesen hat, weiß inzwischen, dass es einen geraden Bauchmuskel gibt. Ein oberer oder unterer Bauchmuskel existiert beim Menschen nicht. Allenfalls kann man von den oberen und unteren Bewegungssegmenten sprechen, die durch die Schaltsehnen entstehen. Es ist aber unmöglich durch Training nur die unteren oder oberen Segmente isoliert anzusprechen. Wenn man die Bauchmuskulatur kontrahiert, dann arbeitet der gesamte Muskel und nicht nur ein Teil davon, denn es gibt keinen extra Nerv, der nur die oberen oder unteren Muskelbäuche ansteuert. Wahrscheinlich fragt sich jetzt der ein oder andere, warum es dann unterschiedliche Übungen wie Crunches oder Beckenheben (Revers Crunches) gibt. Banalerweise könnte man sagen: „Damit es im Training nicht so langweilig wird.“, aber das ist nur Teilaspekt. Rollt man den Unterkörper Richtung Oberkörper auf, wie dies beim Beckenheben passiert, so erfordert dies auch eine andere Koordination als wenn ich nur normale Crunches trainiere. Andere Koordination gleich anderer Reiz für unseren Körper.

Dass es sich bei dieser Aussage um einen Mythos handelt, sollte spätestens dann klar sein, wenn man sich einen olympischen Gewichtheber der unteren Gewichtsklassen anschaut: Meist eine sehr gut ausgeprägte Bauchmuskulatur, obwohl diese beim Gewichtheben kaum direkt trainiert wird. Das wichtigste für ein Sixpack ist und bleibt ein niedriger Körperfettanteil. Vor allem bei denjenigen bei denen die Sehnenplatte des gerade Bauchmuskels kaum ausgeprägt ist, muss der Körperfettanteil recht niedrig sein, um ein Sixpack zu sehen. Training hilft dabei leider nur minimal, da die gerade Bauchmuskulatur nur wenig an Muskelmasse zulegt.

Leider ist diese Aussage ein Mythos, denn es wäre ja tatsächlich super, wenn man die Rückenschmerzen unter denen viele leiden einfach durch Bauchmuskeltraining wegtrainieren könnte. Leider ist dem nicht so. In verschiedensten Untersuchungen wurde festgestellt, dass bei Personen mit Rückenbeschwerden die Bauchmuskeln nicht schwächer sind wie bei Personen ohne Rückenbeschwerden.
So das waren meiner Meinung nach die häufigsten Mythen. Auf absoluten Quatsch wie vibrierende Gürtel, Frischhaltefolie, Handauflegen und dergleichen brauche ich hoffentlich nicht einzugehen.


3 Kommentare:
Bezüglich der Rückenschmerzen habe ich auch schon gehört, dass gerade Menschen die (fast nur) Show-Muskeln trainieren, an Rückenschmerzen leiden, da hier das Verhältnis von Rücken- und Bauchmuskeln nicht stimmen würde.
Hi Heiko,
die gesamte Studienlage zu dem Thema Rückenbeschwerden ist sehr uneinheitlich. Bei der Frage nach optimalen Kraftverhältnissen muss man immer fragen: "Für wen optimal?".
Aber auch dazu gibt die Studienlage nicht viel her. Von daher ist die beste Strategie immer noch unterschiedliche Trainingsreize für alle Muskeln unserer Rumpfmuskulatur zu setzen und dabei keine Muskelgruppe zu bevorzugen.
hallo harald, ich mag deine beiträge sehr gerne! Ich habe den EIndruck, du recherchierst gut und schreibst wissenschaftlich fundierte Artikel, einfach zu lesen und gut verständlich. Vielen Dank!
Nun eine Frage zum Training der Bauchmuskeln. Du schreibst, dass viele Widerholungen nicht nötig sind, sondern es einige wenige auch tun. Nun, ist das auch der Fall wenn das Abs Training lediglich mit dem eigenen Körpergewicht passiert bzw. situps und an der reckstange trainiert werden/wird? Oder gilt diese Aussage nur bei zusätzlichem Gewicht bspw.am Kabelzug? Danke für die Antwort!
liebe grüsse, isa
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