Zunächst einmal handelt sich bei der BIA-Messung um die schnellste und am leichtesten anzuwendende Methode, um den Körperfettanteil zu ermitteln. Die leichte Handhabung geht allerdings stark zu Kosten der Genauigkeit wie wir in den weiteren Abschnitten sehen werden.
Bioelektrische Impedanzmessung bedeutet zunächst einmal, dass ein leichter Stromfluss durch den Körper gesendet wird. Fettfreie Masse besteht zum Großteil aus Wasser, während Fettgewebe um einiges weniger Wasser enthält. Durch den unterschiedlichen Wasseranteil haben die verschiedenen Körpergewebe auch einen unterschiedlich hohen elektrischen Widerstand. Dadurch ist es theoretisch möglich den Körperfettanteil aufgrund der Höhe des Widerstands (Impedanz) zu bestimmen.
Theoretisch, denn was sich in der Theorie gut anhört, hat in der Praxis einige Schwächen. Zunächst einmal die banalen Punkte.
Erstens: Strom folgt dem Weg des geringsten Widerstands durch den Körper. So kann es sein, dass viel Fett im Unterhautfettgewebe gar nicht gemessen wird, weil der Großteil des Stroms durch die weiter innen liegenden Gewebe fließt.
Zweitens: Wie ich im Post zum hydrostatischen Wiegen beschrieben hatte, wird durch den Flüssigkeitshaushalt des Körpers die Messung verändert. Dieser Effekt ist bei der BIA-Messung noch um einiges stärker ausgeprägt. Es gibt zwar einige BIA-Modelle, die versuchen dieses Problem dadurch zu lösen, dass unterschiedliche Stromfrequenzen durch den Körper geschickt werden, um zwischen Wasser innerhalb und außerhalb von Körperzellen unterscheiden zu können, aber das zuerst genannte Problem des geringsten Widerstandes bleibt trotzdem bestehen.
Drittens: Die günstigen Geräte für den Heimgebrauch messen einen Teil des Körpers überhaupt nicht. So tritt bei den üblichen Waagen der Strom durch ein Bein ein und verlässt den Körper wieder am anderen Bein, der komplette Oberkörper wird jedoch nicht gemessen. Bei den Handgeräten verhält es sich natürlich genauso nur umgekehrt.
Befürworter der BIA-Messung werden jetzt einwenden, dass es ja auch Geräte gibt, die den Strom durch den ganzen Körper schicken. Stimmt, allerdings gibt es noch weitere Probleme mit der BIA-Messung.
Fehler über Fehler
Das wohl größte Problem aller BIA-Messungen ist, dass es sich um eine Schätzung handelt die wiederum auf einer Schätzung basiert. Zur Erklärung: Wie beim ersten Artikel zur Körperfettmessung beschrieben wurde, ist selbst das Unterwasserwiegen alles andere als exakt, sondern liefert ab und zu ziemliche Abweichungen von bis zu 6 Prozent. Wenn ein Hersteller ein BIA-Messgerät entwickelt geht er folgendermaßen vor: Es wird eine größere Menge Personen mit einer Referenzmehtode, in den meisten Fällen Unterwasserwiegen, vermessen. Anschließend wird eine Formel (meist mit Variablen wie Größe, Geschlecht, etc. versehen) entwickelt mit deren Hilfe das BIA-Gerät seine eigenen Messergebnisse so umrechnet, dass sie den Ergebnissen der Referenzmethode ungefähr entsprechen. Die entwickelte Formel soll also dafür sorgen, dass bei der BIA-Messung die gleichen Ergebnisse herauskommen als wenn die Referenzmethode (meist Unterwasserwiegen) angewendet würde.
Das Problem bei dieser Form der Messung ist jetzt, dass es sich um eine Formel handelt die auf einer Messung beruht die mit Fehlern behaftet ist. Da die entwickelte Formel auch Ungenauigkeiten enthalten kann, vergrößert sich bei der BIA-Methode der Messfehler natürlich noch weiter.
Wie groß der Messfehler werden kann? Ziemlich groß wie sich aus einer Studie ergibt bei der die BIA-Messung mit dem im letzten Artikel angesprochenen 4-Komponentenmodell verglichen wurde.

An der Studie nahmen 50 Personen teil. Die y-Achse der Abbildung zeigt Anzahl der Personen mit dem entsprechenden Messergebnis. Die x-Achse zeigt um wie viel Kilogramm Körperfett sich die BIA-Messung vom 4-Komponentenmodell unterschied. Wie auf der Abbildung zu erkennen ist, befinden sich die meisten Messpunkte im positiven Bereich, sprich die BIA-Messung unterschätzt bei den meisten den realen Körperfettanteil. Sehr schön zu erkennen ist, dass bei 12 Personen der Messfehler bei 4 Kilogramm und mehr liegt.
Bei den Untersuchten handelte es sich meines Wissens nach um Nichtsportler. Aber es gibt auch eine Studie mit Bodybuildern. Bei dieser Studie wurde verschiedene Messmethoden für Körperfett mit dem 4-Komponentenmodell verteilt. In diesem Artikel kümmern wir uns ja nur um die BIA-Messung, daher ist auch nur der BIA-Balken interessant. Dieser sagt aus, dass die BIA-Messung um bis zu 8% von den Ergebnissen der 4-Komponentenmessung abweicht. Wenn man sich die Grafik genau anschaut sieht man auch, dass die BIA-Messung am meisten in beide Richtungen streut.
Wahrscheinlich werden jetzt einige einwenden, dass die Ungenauigkeiten der BIA-Messung zwar ärgerlich seien, aber man die Methode doch trotzdem einsetzen könnte um zu sehen in wieweit sich die Werte verändern. Klingt ja auch logisch und wäre eine gute Idee, wenn die BIA-Messung tatsächlich die Veränderung des Körperfettanteils während einer Diät verlässlich anzeigen würde. Tut sie aber leider nicht. Hier noch mal eine Grafik aus der Studie mit den Bodybuildern. Wie schon bei der ersten Abbildung zu dieser Studie zeigt sich, dass die BIA-Messung die größte Abweichung hat. Über die Zeit hinweg kann die Fehlerrate bis zu 8 Prozent betragen. Dies bedeutet beispielsweise, dass jemand 4 Prozent Körperfett abnimmt, die BIA-Messung jedoch anzeigt, dass er 4 Prozent zugenommen hat. All dies wohlgemerkt bei korrekter Anwendung aller Messvorschriften.
Auch die von mir schon angesprochene Studie mit den 50 Personen zeigt bei einem Gewichtsverlust das gleiche Bild: Die meisten Personen haben mehr Fett verloren, als die BIA-Messung anzeigt (x-Achse zeigt Unterschied zum 4-Komponentenmodell). Ein paar haben sogar mehr als 5 Kilogramm mehr verloren, als mit BIA gemessen wurde. Die Tatsache, dass der Fettabbau von der BIA-Messung bei den meisten Personen unterschätzt wird ist wie schon oben besprochen, dass der Strom den Weg des geringsten Widerstandes geht und nur einen Teil des Körperfetts überhaupt misst.
Fazit: BIA-Messungen liefern nur ein sehr ungenaues Messergebnis, das nicht überbewertet werden sollte. Vor allem während einer Diät sollte man sich nicht auf die Veränderung der BIA-Messergebnisse konzentrieren, sondern lieber Umfangsdaten oder den Spiegel benutzen.

Ach ja übrigens: Frohe Weihnachten an alle Leser dieses Blogs


5 Kommentare:
Frohe Weihnachten, Harald!
Daß es bei diesen Waagen Schwankungen gibt, war mir schon viel eher bewußt.
Daß jedoch selbst eine Tendenz nicht verläßlich abzulesen ist, nicht.
Auch kein Drama, der Spiegel zeigt einem doch recht deutlich, was zu tun ist.
Wer das ganze nicht glaubt, soll einfach mal son BIA-Teil nehmen und 3-5 Messungen hintereinander machenXD Selbst da habe ich selbst Abweichungen bis zu 3% erlebt!
Ebenso Frohe Weihnachten und nen Guten Rutsch! Weiter so, der Blog ist klasse!!
Grüße, Christine
Super Beitrag! Setze bei meiner Arbeit bis dato selbst die BIA ein (BodyComp MF+ von Akern, Hand-Fuß-Messung, liegend). Die meisten Ergebnisse stimmten mit den Körper- und Leistungsstatus der jeweiligen Probanden überein, aber einige wenige Ergebnisse brachten mich doch schon in Erklärungsnöte. Das die Abweichungen tatsächlich auch bei der Hand-Fuß-Messung liegend so groß sein können, war mir nicht bewusst. Jetzt werde ich umstellen auf die gute alte Umfangmessung. Fitte Grüße! Marc
guter artikel.
wirst du noch etwas zur caliper messung schreiben?
ich finde immer noch eine der besten methode im alltag ist photos von erfahrenen leuten einschätzen zu lassen.
grüße
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